Your Story: Abfall, Müll und sonstiger Unrat
Die Betriebskostenabrechnung erreichte
meinen Briefkasten. Jedes Mal bekam ich beim Lesen einen so dicken Hals, dass
er bis nach Australien gereicht hätte. Jedes Mal dasselbe, alles wurde teurer,
selten blieben die Preise stabil und ich entdeckte auch Unregelmäßigkeiten in
der Auflistung der Nebenkosten.
Natürlich setzte ich sofort
ein Schreiben an meinen Vermieter auf, indem vorsorglich Einspruch erhob. Da
viele Vermieter gerne Posten in die Abrechnung hineinschreiben, die nicht zulässig
sind, trugen sie es unter „Sonstiges“ ein, oder gaben dem Kind einen anderen
Namen, um es zu verstecken. Das ist fast schon eine übliche Tätigkeit, wie der
Mieterschutzverein festgestellt hatte, in dem ich Mitglied war.
Ich verglich stets die Beträge mit denen von den Vorjahren. Was mir sofort ins
Auge stach war, dass die Müllbeseitigung stets teuerer wurde, obwohl immer mehr
auf den dafür eingerichteten Wertstoffhöfen entsorgt wurde. Dies war mir völlig
unverständlich.
Da trennt der Bürger sorgfältig, jede Folie, Papier, Plastik und Blech, trägt
es zur Entsorgung auch noch hin und wird dafür mit erhöhten Gebühren bestraft.
Ein Lichtblick in diesem Jahr war, bei dem aber wiederum ein schlechtes Beispiel
der Politik gegeben wird ist, dass die Gebühr sinken soll. Der Landkreis hat
durch seine Sortierungsanlagen und mit Bürgerhilfe sehr viel Geld einsparen
können. Das Plus besteht jetzt schon länger, schrieben sie in der Zeitung, doch
die Gebühren sollten erst im Jahre 2002 um zehn Prozent zurück gesetzt werden.
Was die wohl mit dem überflüssigen und zuviel bezahlten Geld der Bürger in den
fast eineinhalb Jahren gemacht haben?
Leider erwies sich diese Ankündigung einer Senkung als Reinfall, die Gebühren
stiegen auf anderen Position, also wieder nichts gespart. Ganz abgesehen davon,
dass es in jedem „Viertel“ anderes gehandhabt wird. Andere Regionen haben den
gelben Sack, wir nicht. Überhaupt macht die Müllbeseitigung dem Bürger viel
Ärger. Den Ministern weniger, den Kommunalpolitikern auch nicht so arg, und
die Recyclingfirmen ärgert’s gar nicht, die verdienen dabei nicht schlecht,
so liest man es.
Doch für den Bürger kann das Abfallproblem ein tägliches Ärgernis sein. Fast
jeder Steuerzahler fährt meist mit dem Automobil seinen Abfall fort, dass wiederum
Geld kostet, geschweige denn, man verpestet wieder einmal die Luft. Aber wie
ändern? Man könnte erst gar nicht Produkte einkaufen die unnütz verpackt sind,
und sich stets nach alternativer Umhüllung umsehen, oder man legt die Verpackung
gleich im Geschäft ab.
Aber auch das ist in den meisten Läden nicht mehr möglich, habe ich entsetzt
fest gestellt. Der Bürger als Entsorger der Industrieabfälle, die er auch noch
beim Einkauf mit bezahlt. Der Bürger als Hausbediensteter des Staates. Man sollte
sich überlegen, ob man beim Bundesministerium einen Antrag auf Bezahlung für
die Tätigkeit als Müllentsorger stellen sollte.
Nach weniger Verpackung, die weniger Entsorgung mit sich brachte, sah man sich
vergeblich um, schließlich wollten die Verpackungsfirmen auch noch etwas verdienen.
Sie sagen, es gäbe Vorschriften für die Verpackung von Lebensmittel. Wenn sie
nur alle Vorschriften so einhalten würden, wie diese. So mancher Schutz zur
Umwelt wird von den sogenannten Kapitalisten scheinbar erst gar nicht gewollt.
Sicher könnte man den Abfall schon bei den Produktionen mindern, zudem gibt
es mit Sicherheit so viele Erfindungen zur Müllminderung, die aber boykottiert
werden, weil bei deren Benutzung tatsächlich etwas eingespart werden könnte.
Das verträgt sich scheinbar mit der Weltwirtschaft nicht, weil dann nichts mehr
zu holen ist.
Und wie heute bekannt ist, ist das Müllgeschäft der große Renner bei Bestechung,
Korruption und verschleppten Doppelverdienern geworden. Doch davon versteht
der Normalbürger meist nichts. Geheime Marktwirtschaft, für den „kleinen“ Bürger
absichtlich unverständlich gemacht!
Vor zwei Jahren wiederum stand ein Artikel in der Zeitung, dass die Abfallgebühr
erhöht werden muss, weil der Bürger so umweltgerecht handelte, und dadurch die
Anlagen der Müllverbrennung nicht ausgelastet sind.
Ja, da kam Freude auf. Wut über eine Abfallpolitik, die wahrscheinlich ihres
Gleichen sucht und nicht zu finden sein wird, sollte man am besten herausschreien,
oder wenigstens den Behörden einige deutliche Worte schreiben. Ob es was nützen
würde? Der Bürger als Hofnarr von volkverblödender Abfallgesetze. Alles zum
Wohle der Industrie, die ein Monopol an Mächtigkeit besitzt, dass der Staat
sich kaum getraut dem einmal entgegenzutreten.
Und wieder muss man dabei gelassen bleiben, da es für den Bürger kaum zu ändern
war. Auf verschieden Wertstoffhöfen wird man auch noch dümmlich angesprochen,
indem einem gesagt wird, dass die Folie sauber sein muss, der Joghurtbecher
mit teurem Wasser ausgespült werden musste und die Erdsäcke rein sein sollen.
Man sagt einem, dass ein Abfallprodukt heute darein kann, morgen wieder nicht,
und die Bestimmungen können sich dabei monatlich ändern. Ich habe festgestellt,
dass das Personal sich selbst oft nicht genau auskennt.
Um dem vorzubeugen, nehme ich stets den neusten Stand der Dinge schriftlich
mit auf den Hof, um den angestellten bei Bedarf etwas Handfestes vorlegen zu
können. Und ich ging noch weiter. Um immer auf dem neusten Stand der Gesetzgeber
zu sein, suche ich mir permanent die neusten Gesetzestexte aus allen Gesellschaftsbereichen
heraus.
Mein Tipp: Lassen sie sich regelmäßig und kostenlos die Broschüren aller Themenbereiche
vom Bundesministerium aus den verschiedenen Abteilungen zusenden, um sich einen
Überblick zu verschaffen. Hilfreich sind dabei die aktuellsten Urteile für den
Verbraucher, dass neuste vom Wohngeld, ebenso die allgemeine Sozialfibel kann
sehr hilfreich sein, und viele andere interessanten Heftchen aus verschiedenen
Themenbereichen.
Das alle gibt es kostenlos bei den zuständigen Bundesministerien. Immer auf
dem neusten Stand, damit auch wir uns im Dschungel der Gesetzesgeber etwas besser
auskennen und uns nicht für dumm verkaufen lassen brauchen. Wissen ist Macht,
und die kann auch der Bürger haben. Autor R. Haemel 2002 / www.rolandhaemel.de